Aus dem umfangreichen Briefwechsel zwischen Bettina von Arnim, einer sozialkritischen Schriftstellerin sowie langjährigen Freundin der Mutter von J.W. v. Goethe [Katharina Elisabeth Goethe] und dem Dichter, hier aus einem Brief v. 24.11.1810 von Bettina von Arnim an Johann Wolfgang von Goethe:
„Laß mich Dir noch erzählen, daß Dein Großvater zum Gedächtnis Deiner Geburt einen Birnbaum in dem wohlgepflegten Garten vor dem Bockenheimer Tor gepflanzt hat, der Baum ist sehr groß geworden, von seinen Früchten, die köstlich sind, hab ich gegessen und - Du würdest mich auslachen, wenn ich Dir alles sagen wollte.
Es war ein schöner Frühling, sonnig und warm, der junge hochstämmige Birnbaum war über und über bedeckt mit Blüten, nun wars, glaub ich, am Geburtstag der Mutter , da schafften die Kinder den grünen Sessel, auf dem sie abends, wenn sie erzählte, zu sitzen pflegte, und der darum der Märchensessel genannt wurde, in aller Stille in den Garten, putzten ihn auf mit Bändern und Blumen, und nachdem Gäste und Verwandte sich versammelt hatten, trat der Wolfgang als Schäfer gekleidet mit einer Hirtentasche, aus der eine Rolle mit goldnen Buchstaben herabhing, mit einem grünen Kranz auf dem Kopf unter den Birnbaum und hielt eine Anrede an den Sessel, als den Sitz der schönen Märchen, es war eine große Freude, den schönen bekränzten Knaben unter den blühenden Zweigen zu sehen, wie er im Feuer der Rede, welche er mit großer Zuversicht hielt, aufbrauste.”